Nicht erst seit der Veröffentlichung von Windows 10 und der anhaltenden und oft wenig zielführenden Kritik an dessen Datenhunger steigt das Interesse vieler Anwender an einem Umstieg auf Linux. Dies belegen auch die Zugriffszahlen auf Beiträge auf meiner Webseite, die sich mit dem Thema Linux beschäftigen. Unangefochtener Spitzenreiter ist seit Monaten der Beitrag über Virenscanner für Linux. Dass sich diese Frage so vielen stellt, belegt, dass Anwender mit Windows-Erwartungshaltung sich über Linux informieren wollen. Deshalb beginne ich heute eine lose Serie von Beiträgen zu diesem Thema.

Linux als Alternative

Tux- das Linux-Maskottchen
Tux- das Linux-Maskottchen

Linux ist ein Betriebssystem wie Windows. Das heißt, es stellt grundlegende Funktionen zur Benutzung des Computers bereit. Es ist eine Plattform, auf der Programme gestartet und benutzt werden können. Aber es ist eine andere Plattform. Das bedeutet, dass ein Programm für Windows grundsätzlich unter Linux erst einmal nicht lauffähig ist. Ebenso sind Programme für Linux unter Windows nicht lauffähig.

Es gibt aber viele Programme, vor allem aus dem Bereich der freien und quelloffenen Software, die es in Versionen für beide Betriebssysteme gibt, und auch noch für weitere. Beispiele sind Firefox, Thunderbird, Chrome, Libre Office und OpenOffice, Gimp, Inkscape und viele mehr. Sehr viele Programme aus der Linuxwelt existieren auch in Windows-Versionen, sind dort aber nicht unbedingt weit verbreitet.

Es ist also in vielen Fällen möglich, Varianten der gewohnten Programme zu benutzen. Für die meisten anderen Anwendungen gibt es unter Linux ebenfalls entsprechende Programme, aber nicht für wirklich alle Bereiche, die interessant sein könnten. Es lohnt sich also, sich zunächst zu informieren, ob es für Aufgaben, die man mit dem Computer lösen möchte, auch eine passende Anwendung für Linux gibt.

Worin liegen die Vorteile von Linux?

Linux ist ein sehr sicheres und stabiles Betriebssystem. Wie in verschiedenen Beiträgen auf dieser Seite bereits dargelegt, sind die weitaus meisten Sicherheitsrisiken, mit denen ein Windows-Anwender zurechtkommen muss, unter Linux kein Thema. Ich benutze Linux seit 2003 ohne Virenscanner, ohne irgendwelche zusätzlichen Sicherheitseinstellungen usw. Es hat noch nie ein Problem deswegen gegeben.

Linux altert nicht in dem Maße, wie eine Windows-Installation das tut. Windows wird mit der Zeit immer langsamer, wofür es viele Gründe gibt. Es treten Instabilitäten und Ärgernisse auf, die sich häufig nicht oder nur mit großem Aufwand beseitigen lassen. Dem gegenüber bleibt Linux in der Regel gleichbleibend schnell. Probleme, die es natürlich auch hier gibt, lassen sich zumeist durch eine Internetsuche lösen. Es gibt viele Foren und andere Anlaufstellen im Internet, wo Linuxanwender einander helfen.

Linux ist frei und kostenlos, und das gilt auch für den weitaus größten Teil aller dafür verfügbarer Software. Und Updates kommen nicht nur monatlich, sondern gegebenenfalls täglich, nicht nur für das Betriebssystem, sondern für alle Programme. Und dabei sind diese Updates nicht zeitintensiv, laufen im Hintergrund und benötigen nur selten einen Neustart. Linux bleibt also rundum aktuell.

Für Anwender, die es mögen, ihr System bis ins Kleinste zu personalisieren, bietet Linux sehr umfassende Möglichkeiten. Das beginnt bei der Auswahl der Linux-Distribution, denn Linux ist kein fertiges Produkt wie Windows oder iOS, das bei jedem gleich aussieht. Linux kann von jedem, der möchte, mit eigenem Aussehen und eigener Programmauswahl von grundlegender Technik bis hin zu Anwendungen selbst zusammengesetzt werden wie aus einem Baukasten und anschließend an andere verteilt werden. Das Ergebnis nennt sich „Distribution“. Es gibt zum Beispiel eine Distribution namens Debian Linux. Die Firma Canonical benutzt diese Distribution, fügt eigene Änderungen hinzu und nennt das ganze Ubuntu. Und Ubuntu bildet wiederum die Grundlage für Mint. All diese Distributionen und hunderte weitere basieren auf Linux, und jede Distribution hat ihre eigenen Vorzüge und wohl auch Nachteile.

Es gibt unterschiedliche Arbeits-Oberflächen, von denen einige sich vor allem für neue Rechner eignen, dafür aber großen Komfort mitbringen, andere begnügen sich mit wenigen Ressourcen und laufen gut auf alten, vergleichsweise schwachen Rechnern. Manche entfernen sich sehr weit von der Bedienungsweise von Windows, andere orientieren sich eng daran. Keine Linux-Distribution ist genau wie Windows, etwas Flexibilität wird vom neuen Linux-Anwender auf jeden Fall verlangt.

Und welche Nachteile gibt es?

Für den einen oder anderen ist die Vielfalt an Entscheidungen, die Linux mit sich bringt, sicher ein Nachteil. Welche Distribution ist für mich die richtige, welche Oberfläche, welche Anwendungen? Am Anfang stehen Recherche und Ausprobieren, wobei praktisch alle Distributionen kostenlos verfügbar sind und schnell installiert und entfernt werden können.

Es gibt leider keine Garantie, dass wirklich all Ihre Hardware von Linux unterstützt wird. Anders als unter Windows kümmern sich längst nicht alle Hersteller selbst um die Unterstützung ihrer Geräte unter Linux. Vieles wird von freien Programmierern zum Laufen gebracht. Grundsätzlich gilt, dass Linux fast alle Geräte, die es unterstützt, auch sofort selbst unterstützt. In der Regel entfallen Treiberdownloads bei Herstellern.

Unterm Strich würde ich sogar sagen, dass Linux wesentlich mehr Geräte unterstützt als Windows, wenn man betrachtet, wie schnell neue Versionen von Windows alte Hardware nicht mehr unterstützen oder neue Hardware keine Treiber für alte Windowsversionen bekommt. Trotzdem ist es gut möglich, dass zum Beispiel eine Webcam oder eine Maus oder Tastatur mit vielen Sondertasten oder auch der eine oder andere Drucker nicht oder nur teilweise funktionieren. Manches kann man mit mehr oder weniger Aufwand vielleicht lösen, anderes nicht.

 Linux benötigt in jedem Fall eine gewisse Einarbeitung. Wenn man es fair betrachtet, ist der Umstieg von z.B. Windows 7 auf eine Linux-Distribution nicht schwieriger als auf Windows 8.1 oder 10, da sich auch hier Bedienkonzepte ändern. Leider neigen viele Windows-Anwender dazu, beim ersten Problem unter Linux die Flinte ins Korn zu werfen, während sie über Probleme in Windows sehr großzügig hinwegsehen.

In kommenden Beiträgen werde ich auf einzelne dieser Punkte genauer eingehen. Sie können wie immer gerne die Kommentarfunktion am unteren Ende der Seite nutzen, um Fragen zu stellen oder Themen vorzuschlagen, und die Kategorie „Linux“ rechts enthält sicher auch bereits den einen oder anderen für Sie nützlichen Beitrag zum Thema.

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6 Kommentare

  1. Linux bietet eine alternative Plattform zu Windows mit einer Vielzahl an Programmen, die auch für Windows verfügbar sind. Es lohnt sich, vor einem Umstieg zu prüfen, ob es für die gewünschten Aufgaben passende Anwendungen für Linux gibt.

    German
  2. Hallöchen, alle zusammen!
    Der obige Beitrag zu Linux bestärkt mich darin,
    in Bälde mich von Windo(of)s zu trennen.
    Im Jahr 2006 fing ich mit der ME (Millenium Edition)
    an – auf gebrauchtem PC.
    Habe ab da alles durch, was Windows zu bieten
    hatte.
    Frust kam auf, wenn man erfuhr, dass dieses
    oder jenes Programm nur bis zum Jahr XYZ
    unterstützt wird – es keine Sicherheits-Updates
    mehr gibt – es anfälliger gegen Viren wird –
    etc.
    Noch beutze ich Windows XP Professional
    Edtion Service Pack 3.
    Danach kam ja wohl Windows 7 – dann Windows 8
    (gibt es Windows 9 ?)
    Jetzt aktuell Windows 10.
    Die Jungs von Windows wollen uns wohl
    die Schuhe ausziehen?
    Wer kann sich das alles noch leisten?
    Dazu ständig neue Anti-Viren-Programme,
    die unter dem anderen System nicht oder
    nur bedingt liefen / schützten.
    Nachdem mein Widnows –
    zusammen mit dem alten Rechner
    immer langsamer wird,
    will ich nun neuen Rechner kaufen,
    MIT Linux, denn hier was neues drauf
    zu machen – das rentiert sich nicht mehr.
    Nach Recherche betr. Linux
    im WWW steht mein Entschluß fest:
    „Linux – ich komme zu Dir!“
    Viele Grüße aus Dresden:
    Ralf G.

    RALF GRABOWSKI
    1. Tatsächlich muss sich Linux gar nicht finanzieren, da es nicht das Produkt einer Firma ist. Linux wird, einfach gesagt, von Programmierern entwickelt, die das tun, weil sie es können und benötigen. Es gibt aber durchaus Firmen, darunter sogar auch Microsoft, die an der Entwicklung von Linux mitarbeiten und Programmierung beisteuern – hier werden durchaus auch Programmierer für die Entwicklung von Linux bezahlt. Aber Linuxdistributionen als solche sind nicht kostenpflichtig. Darüber hinaus gibt es Firmen, die kostenpflichtigen Support für Linux bieten.

      Dadurch, dass Linux nicht kostenpflichtig ist, konnten Firmen wie Google und Amazon aus ihren anfänglichen Garagen heraus überhaupt erst entstehen. Wenn für deren Rechenzentren Kosten für Windows-Lizenzen anfallen würden, wäre das ein gewaltiger Kostenfaktor – der heute zwar kein Problem mehr für diese Firmen wäre, aber in der Anfangszeit sehr wohl.

      Mehr dazu finden Sie z.B. im Wikipedia-Artikel zu Linux: https://de.wikipedia.org/wiki/Linux

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